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Felsenau: Ein Lebenswerk in fünf Generationen

1881: Die Gründergeneration

1881:  Der Bierbrauer Johann Gustav Hemmann (1838-1901) führte von 1860 bis 1865 die Brauerei zum weissen Rössli in Würenlingen (AG) und wechselte danach in die Brauerei Schloss Reichenbach in Zollikofen bei Bern. Er war ein leidenschaftlicher Brauer, doch sein Ziel war die Selbständigkeit. Deshalb tauschte er im Jahre 1881 seinen Besitz, das Restaurant Halbmond an der Aarbergergasse in Bern gegen die Liegenschaft in der Felsenau. Im Gebäude waren eine einfache Brauerei sowie eine kleine Brennerei und Gerberei untergebracht.

Johann Gustav Hemmann gab die Hopfenpflanzung sowie die Brennerei und Gerberei auf, um sich ganz auf das Bierbrauen zu konzentrieren. Er nannte die Brauerei „Felsenau“. Die naheliegenste Gelegenheit, sein Bier zu trinken war die Brauereiwirtschaft in der Felsenau selbst, die von seiner Frau betrieben wurde. Schnell sprach sich herum, dass sein Bier  „vortrefflich, delikat und fein“ ist, und schon bald wurde es in zehn Wirtschaften in der Stadt Bern ausgeschenkt.

1891:  Als eine der ersten Brauereien in der Schweiz nahm die Brauerei Felsenau eine Kunsteis-Maschine in Betrieb. Mittlerweile arbeiteten auch die beiden Söhne des Gründers, Gustav Hieronymus und Rudolf Hemmann im Unternehmen mit. Besondere Aufmerksamkeit wurde der Sicherung des Absatzes geschenkt. So wurden in Bern zahlreiche Restaurants gekauft und mit Felsenau- Bier beliefert. Noch heute besitzt die Brauerei das Restaurant Du Nord in der Lorraine, das Bierhübeli und der bis 2014 als Restaurant Felsenau geführte Betrieb, gleich oberhalb der Brauerei Felsenau

Im Jahre 1901 starb der Firmengründer Johann Gustav Hemmann und hinterliess sein Geschäft seinen beiden Söhnen.

 

1902: Die zweite Generation

Der eine Sohn, Rudolf Hemman, beschloss nach kurzer Zeit, aus dem Geschäft auszusteigen und so übernahm Gustav Hieronymus Hemmann (1863-1926) die noch junge Firma. Bis zum ersten Weltkrieg vergrösserte sich der Kundenkreis rasch und das Bier floss munter in der ganzen Stadt. Durch das Wachstum wurde die Brauerei laufend technisch erneuert. Die Brauerei erhielt schon 1911 einen eigenen Gleisanschluss an die Solothurn-Zollikofen-Bern-Bahn und 1914 wurden die Ochsen- und Pferdegespanne durch einen ersten Lastwagen ersetzt.

Gustav Hieronymus Hemmann führte das aufstrebende Unternehmen durch die schwierige Zeit des 1. Weltkrieges und verhalf ihm nach diesen Krisenjahren zu neuem Aufschwung.

 

1926: Die dritte Generation

Nach dem Tod von Gustav Hieronymus Hemmann übernahmen seine beiden Söhne Gustav (1892-1963) und Willy (1895-1972) den Betrieb. Unter deren Leitung wurde zuerst das Sudhaus umgebaut und modernisiert. In den letzten Vorkriegsjahren liessen sie – in weiser Voraussicht auf die sich abzeichnende Bedrohung – grosse Malzsilos bauen. Diese waren glücklicherweise einen Monat vor Kriegsausbruch prall gefüllt. Das trug dazu bei, dass die Brauerei den Betrieb während den Kriegsjahren problemlos aufrechterhalten konnte.

Am 1. Oktober 1955 wurde die Brauerei Felsenau von einer Kollektivgesellschaft in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Im gleichen Jahr wurde auch eine eigene Pensionskasse gegründet.

In den von starker Expansion geprägten 60er Jahren hat die Brauerei Felsenau einen Zwölf-Jahresplan für die vollständige Erneuerung der technischen Anlagen aufgestellt. So wurden unter anderem nicht nur neue Lagerkeller erstellt, sondern auch die Fasskeller-Abteilung, die Wasseraufbereitung, die Schroterei und das Sudhaus erneuert.

Am 28. März 1963 starb Gustav Hemmann, dem die technische Leitung des Betriebs oblag.

Sein Nachfolger wurde Heinz Hemmann, der Sohn von Willy, der sich im Bayrischen Weihenstephan in der wohl ältesten Brauerei der Welt ausbilden hatte lassen. Er trat bereits 1953 als erster Angehöriger der vierten Generation als Brauführer in den Betrieb ein und verfeinerte das schon erfolgreiche Rezept weiter.

Willy Hemmann, Gustavs Bruder, führte das Geschäft als Inhaber bis zu seinem Tod 1972 weiter.

 

1972: Die vierte Generation

Willy hinterliess den Betrieb seinen beiden Söhnen Heinz und Max und seiner Tochter Silvia. Sie setzten sich ganz im Sinne ihres Vaters für die Brauerei ein.

Noch vor Abschluss des Zwölf-Jahresplanes wünschte die Familie des verstorbenen Gustav Hemmann aus dem Geschäft auszusteigen.

Im Jahr 1972 wurde die Flaschenabfüllanlage vollständig erneuert. Zu dieser Zeit vertrieb die Brauerei Felsenau nebst den eigenen Bieren auch alkoholfreie Getränke. Hinzu kamen andere Schweizer und ausländische Biere, sowie ein kleines Sortiment an Wein.

Das oberste Ziel der kleinen Regionalbrauerei war es schon damals, ihre Selbständigkeit zu bewahren. Nach dem Motto „Innovation statt Stagnation“ wurde das Dienstleistungsangebot ständig optimiert und erweitert. Durch eine geschickte Nischen-Strategie wurden die Unabhängigkeit und die Arbeitsplätze langfristig gesichert.

Am 20. Dezember 1992 starb Heinz Hemmann, dem die Gesamtleitung der Firma oblag, überraschend.

 

1993: Fünfte und heutige Generation

Im Jahre 1993 kamen Stefan Simon und Martin Thierstein, beide Hemmann-Nachkommen, als Vertreter der 5. Generation zur Brauerei Felsenau, wie die Jungfrau zum Kinde. Die beiden leiten das Unternehmen und führen die Brauerei bis heute. Heinz Hemmann hatte viele Geheimnisse und Praktiken des Geschäfts mit ins Grab genommen.

1994 verlässt Max Hemmann, der letzte Vertreter der vierten Generation die Firma. Stefan Simon und Martin Thierstein beschliessen technische Neuerungen auf allen Ebenen.

Auch in Sachen Bier sind sie stets innovativ: 1997 wird zu einem denkwürdigen Jahr für die Brauerei Felsenau. Das „Bärner Müntschi“ wird lanciert. Als erste Brauerei in der Schweiz füllt Felsenau ein naturtrübes Bier in die Flasche ab. Die Leute nehmen das neue Produkt mit Kusshand entgegen, und das Bärner Müntschi tritt seinen Siegeszug an.

Im Jahr 2001 wird der Dampfkessel und im Jahr 2005 der Eis-Speicher und die Kälteanlage erneuert.

2006 feiert die Brauerei ihr 125 jähriges Bestehen, und das „Bärner Müntschi“ wird  auf Wunsch von Coop in Einweg-Flaschen abgefüllt. Seit damals werden in rund 70 regionalen Filialen des Gross-Detailhändlers Felsenau Biere (Bärner Müntschi, Bärner Junker, Lager und Bärner Weizzzen) verkauft.

2008 wird das „Bärner Weizzzen“ als 6. Biersorte lanciert. Das obergärige, naturtrübe Hefe-Weizenbier ist vorerst in der 50 cl-Flaschen Einweg und Mehrweg erhältlich und findet reissenden Absatz.

Auch der Filterkeller wird erneuert und durch die neuen Drucktanks kann die Kapazität der Brauerei verdoppelt werden.

In der Flaschenabfüll-Abteilung wird 2013  ein neuer „Flascheninspektor“ und ein „Einpacker“ angeschafft. Diese modernen Maschinen sind weitere grosse Investitionen in die Produkte-Sicherheit und in die Rationalisierung des Abfüllprozesses, die die hohe Qualität der Hauptstadtbiere sicherstellen.

2014 gibt es eine weitere grosse Investition zur Optimierung des Produktionsprozesses: Im Sudhaus werden alle Anlagen automatisiert