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PORTRÄT DER BRAUEREI

Johann Gustav Hemmann, der Gründer der Brauerei Felsenau

ES IST DOCH GOLD WAS PERLT

Kleine Geschichte der Beständigkeit

Frisch getraut, frisch gebraut…

1881: Dr. Watson machte eben die Bekanntschaft von Sherlock Holmes und in Berlin fuhr die erste elektrische Strassenbahn der Welt, da erwarb Johann Gustav Hemmann die Räumlichkeiten beim Hopfenfeld in der Berner Felsenau. Das palindromsche Jahr (Zahl von beiden Seiten gleich lesbar) erschien ihm als ein besonders gutes Omen für erste unternehmerische Schritte. Und tatsächlich: Das an der Aareschlaufe gebraute „Hemme Bier“ schmeckte andern genauso wie dem Firmeninitianten. „Fein, delikat“, lauteten ihre Kommentare. Dabei strichen sie sich geniesserisch nickend den Schaum aus den Schnäuzen.

Das Schäumchen ist von Anfang an ein Träumchen…

Nun, eitel Biernippen war das Braugewerbe keineswegs. Musste das für Brauprozess sowie Lagerung unumgängliche Natureis doch mühsam aus den „Winterdecken“ des Berner Egelsees oder den Weihern des Grossen Mooses gesägt werden – in milden Wintern aus dem Firn der Oberländer Gletscherriesen. Und erst die Entwicklung der Kältemaschine brachte um die Jahrhundertwende schliesslich eine gewisse saisonale Unabhängigkeit.

Das markante „Plop“ bleibt weiter top…

Viel Wasser lief seither die Aare runter. Manches kam und manches ging. Spielten die Zeiten zwischendurch auch öfters mal verrückt, das Bier der Felsenau hingegen blieb. Und es blieb dabei sich selber treu. Rigoros authentisch, ungekünstelt, gemütlich halt. Schluck für Schluck perlende Kultur. Ein Relikt aus guten alten Tagen zeugt davon: Der Hemmannsche Bügelverschluss – dies nicht zu überhörende „Plop“ beim Öffnen einer Flasche, ohne das für manchen der Biergenuss nicht mehr derselbe wäre.

Bescheidenheit macht Zier und Bier…

Es kam die Zeit der Fusionen. Doch an der Berner Aareschlaufe liess man sich nie von fragwürdigen Versprechen locken. Die Brauerei Felsenau blieb standhaft das, was sie schon immer war – Familiensache nämlich. Inzwischen stehen mit Stefan Simon und Martin Thierstein bereits die Vertreter der fünften Generation am Ruder. Und ebenso viele Generationen von Biergeniessern durften sich all diese Zeit Schluck für Schluck vollends „en famille“ fühlen. Nun, man kann dies auch ruhig weiterhin.

Lieber gehopft als zu hoch gesprungen… 

Von Luftschlössern war niemals die Rede. Auch nicht von Betonmonumenten. Für die Besitzer stehen die altehrwürdigen Gebäulichkeiten unter Familienschutz. Gewiss, im Innern sind die Anlagen auf dem neuesten Stand. Nach aussen hin jedoch strahlt die Brauerei wie eh und je, bescheiden aber charakterreich, von traditioneller Braukunst und goldenem Handwerk zeugend, sich des altüberlieferten Knowhows voll bewusst. Besucher schnuppern. Ein Hauch von Hopfen und Malz liegt in der Luft. 

Und so wird der Biergenuss zum Musenkuss…

Die Berner Modis seien besonders hübsch, stand in der Zürcher Presse. Nun, dies liegt wahrscheinlich nicht allein am Bier. Aber wenn ein Bier sich Bärner Müntschi nennen darf, geht wohl ein besonderer Zauber von ihm aus. Man schaut ins Glas, und fast ist es, als sähe man das unbeschwerte Lachen aller Modis vor sich perlen. Ein Müntschi ist zugleich ein Willkommenskuss, eine Einladung, auch mal Bekanntschaft mit all den  anderen Geschwistern aus der Felsenau zu schliessen: Bärner Weizenbier, Junkerbier, Lager, Bärni, Zwickel, Bügel-Spez, Schümli und wie sie alle heissen.

In der Felsenau nimmt man die Kunst des Bierbrauens wie eh und je persönlich. Und persönlich ist demzufolge ebenso die entsprechende Form des Kontaktes. Sei dies per Telefon 031 301 22 08, sei es ein Besuch des Brauerei-Büros (zu den Arbeitszeiten), sei es anlässlich des Rampenverkaufs (jeden Freitag von 14.00 bis 18.00 Uhr) oder per Email felsenau@felsenau.ch.